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Dienstag, 6. Oktober 2009
Es ist Deutschland hier - zur interkulturellen Kompetenz von Politikern
Ich hatte im Frühjahr in meinem Post zur interkulturellen Kompetenz eher nebenbei auf Fehlpässe einiger politischer Würdenträger auf diesem Gebiet abgehoben.
Es war klar, dass dies nicht nur Vertreter einer Partei beträfe, aber ich nahm nicht an, dass sich dies so schnell und drastisch wiederholen könnte. Die Herren Rüttgers und Westerwelle - immerhin wohl künftiger Außenminister - geben nun weitere Beispiele fehlender interkultureller Sensitivität ab.
Ich habe inzwischen von mehreren ausländischen Kollegen, die hierzulande leben, zu Herrn Westerwelles jüngstem Ausrutscher in einer Pressekonferenz kopfschüttelnde Reaktionen vernommen. Vom "incredible" bis hin zu "does he call this diplomacy?". Eines scheint gelungen: Das Stereotyp vom "Deutschen" in kräftiger Kontur zu bestätigen.
Das Verhalten scheint mir jenseits aller Wertung prototypisch - die unglückliche Figur, die Herr Westerwelle in seiner Pressekonferenz abgibt, versinnbildlicht die im Alltag oft zu findende Haltung, die für interkulturelle Zusammenabeit eine Riesenhürde darstellt. Das Typische dabei: Es ist gar nicht bewusst.
Ob in der Zusammenarbeit in der Firma, oder in Begegnungen im öffentlichen Bereich (ähnlich wie Hr. W. schnauzte ein Security Angestellter im internationalen(!) Bereich des Frankfurter Flughafens einen älteren Herrn an: "Sie sind hier auf einem deutschen Flughafen - da sollten sie etwas von der Sprache verstehen...") solche Erfahrungen prägen die Wahrnehmung ausländischer Partner von uns, unserem Land und unserer Kooperationshaltung.
Hier Herrn Westerwelles denkwürdige Szene "Es ist Deutschland hier":
Prototypisch für mangelnde interkulturelle Kompetenz sei das Verhalten, merkte ich oben an. Denn leider kennt man Aussagen ähnlicher Qualität auch aus dem internationalen Kontext in Unternehmen. Nicht immer so drastisch konfrontativ formuliert auf eine immerhin höfliche Frage - aber mit ähnlichem Bedeutungsgehalt.
Sensibilisierung für interkulturelle Fragen ist für viele durchaus ein Lernfeld. Auch wer öfter schon mal im Ausland war, spätestens wenn berufliche Aktivitäten die Zusammenarbeit im Internationalen unerlässlich machen, lohnt sich genaueres Hinsehen...
Wem es nicht gegeben ist, im Kontakt mit sich und seinem Umfeld auch in überraschenden Situationen natürlich und gelassen zu agieren, der mag acht geben, aus eigener Unsicherheit und Ängsten heraus nicht genau in den falschen Tonfall zu verfallen. Der klingt in den Ohren anderer noch lange nach und kann als Ausweis für Mangel an Souveränität aber auch Respekt anschließend vieles erschweren.
Es war klar, dass dies nicht nur Vertreter einer Partei beträfe, aber ich nahm nicht an, dass sich dies so schnell und drastisch wiederholen könnte. Die Herren Rüttgers und Westerwelle - immerhin wohl künftiger Außenminister - geben nun weitere Beispiele fehlender interkultureller Sensitivität ab.
Ich habe inzwischen von mehreren ausländischen Kollegen, die hierzulande leben, zu Herrn Westerwelles jüngstem Ausrutscher in einer Pressekonferenz kopfschüttelnde Reaktionen vernommen. Vom "incredible" bis hin zu "does he call this diplomacy?". Eines scheint gelungen: Das Stereotyp vom "Deutschen" in kräftiger Kontur zu bestätigen.
Das Verhalten scheint mir jenseits aller Wertung prototypisch - die unglückliche Figur, die Herr Westerwelle in seiner Pressekonferenz abgibt, versinnbildlicht die im Alltag oft zu findende Haltung, die für interkulturelle Zusammenabeit eine Riesenhürde darstellt. Das Typische dabei: Es ist gar nicht bewusst.
Ob in der Zusammenarbeit in der Firma, oder in Begegnungen im öffentlichen Bereich (ähnlich wie Hr. W. schnauzte ein Security Angestellter im internationalen(!) Bereich des Frankfurter Flughafens einen älteren Herrn an: "Sie sind hier auf einem deutschen Flughafen - da sollten sie etwas von der Sprache verstehen...") solche Erfahrungen prägen die Wahrnehmung ausländischer Partner von uns, unserem Land und unserer Kooperationshaltung.
Hier Herrn Westerwelles denkwürdige Szene "Es ist Deutschland hier":
Prototypisch für mangelnde interkulturelle Kompetenz sei das Verhalten, merkte ich oben an. Denn leider kennt man Aussagen ähnlicher Qualität auch aus dem internationalen Kontext in Unternehmen. Nicht immer so drastisch konfrontativ formuliert auf eine immerhin höfliche Frage - aber mit ähnlichem Bedeutungsgehalt.
Sensibilisierung für interkulturelle Fragen ist für viele durchaus ein Lernfeld. Auch wer öfter schon mal im Ausland war, spätestens wenn berufliche Aktivitäten die Zusammenarbeit im Internationalen unerlässlich machen, lohnt sich genaueres Hinsehen...
Wem es nicht gegeben ist, im Kontakt mit sich und seinem Umfeld auch in überraschenden Situationen natürlich und gelassen zu agieren, der mag acht geben, aus eigener Unsicherheit und Ängsten heraus nicht genau in den falschen Tonfall zu verfallen. Der klingt in den Ohren anderer noch lange nach und kann als Ausweis für Mangel an Souveränität aber auch Respekt anschließend vieles erschweren.
Labels:
Interkulturelle Kompetenz,
Zusammenarbeit
Sonntag, 10. Mai 2009
Interkulturelle Kompetenz - nicht als Dosenfutter zu erhalten
Die Herren Steinbrück und Müntefering machen gerade eindrucksvoll vor, wie es um die interkulturelle Sensibilität im politischen Establishment Deutschlands bestellt ist - wohl unabhängig von der parteilichen Orientierung*). Müntefering soll im Streit um Steuerparadiese gesagt haben, "früher hätte man dort Soldaten hingeschickt", Steinbrück hatte Steueroasen mit Indianer-Gebieten verglichen, gegen die Kavallerie in Stellung gebracht werde, was zu vernehmbarem Unmut über die Schmähung im Ausland führt.
Ich denke an bedenkliche Erfahrungen im geschäftlichen Umfeld, die ich in den vergangenen Wochen machte. Da ist ein junger deutscher Ingenieur eines großen deutschen Elektronikkonzerns beruflich in Novi Sad in Serbien. Der serbische Kollege, ebenfalls ein junger Ingenieur, lädt den Gast am frühen Abend bei schönstem Wetter und 30 Grad zum Abendessen ein und bietet an, ihm die Stadt zu zeigen. Der Gast lehnt kurz angebunden ab, er gehe lieber ins Hotel, er habe im Internet gesehen, dass die Stadt nichts Interessantes biete. Abgesehen davon, dass dies Unsinn ist - ich kenne Novi Sad,
das sehr lebendig, voll kulturellen Lebens in jeder Hinsicht (EXIT, Nomos, viele weitere internationale Kulturereignisse jedes Jahr) und voller junger Menschen ist - befremdlich wirkt so ein Verhalten in einem Gastland schon.
Das passt dann zur Beobachtung, die Ingenieure anderer Nationen machen, wenn sie mit Kollegen desselben Konzerns in Indien unterwegs sind - und staunen über das anmassende Verhalten deutscher Kollegen den indischen Ingenieurpartnern gegenüber.
Eine weitere Erfahrung aus einem anderen global agierenden deutschen Konzern: Da teilt mir vor einem internationalen Meeting der Leiter eines großen Konzernbereichs mit, er verfüge über mehr als 20 Jahre interkulturelle Erfahrung in Asien, Südamerika und Europa - auf diesem Gebiet gäbe es für ihn kaum noch Fragen. Im Workshop sitzen die ihm unterstellten Landesgeschäftsführer aus vielen Ländern der Welt. Bei der Frage zur Qualität der Zusammenarbeit herrscht zunächst betretenes Schweigen. Nach einiger Zeit äußern sich einige mit der Schilderung drastischer Erlebnisse - ein Brite entwickelt das Bild von einem deutschen Panzer, der alles plattwalze und nicht zuhöre... Ein anderer Manager spricht von schwierigen Botschaften gegenüber Mitarbeitern bei Besuchen in den Werken, die Befremden ausgelöst hätten. Da würden sich einige über Nebensächliches aufregen, lautet später der Kommentar mir gegenüber. International erfahren ist nicht dasselbe, wie interkulturell kompetent, ist dagegen meine Einschätzung.
Selbst- und Fremdbild klaffen in diesen Fragen gelegentlich erheblich auseinander. Ein Beitrag für die Bertelsmann Stiftung zur Workforce Diversity (Taylor Cox, 2008) spricht davon, dass 15% der befragten deutschen Teilnehmer einer Untersuchung in der deutschen Niederlassung eines US Unternehmens Spannungen und Konflikte zwischen Deutschen und Nichtdeutschen im Arbeitsumfeld feststellten - dies jedoch 50% der Nichtdeutschen für gegeben hielten. 15% der deutschen, jedoch 55% der nichtdeutschen Teilnehmer sprachen davon, dass Nichtdeutschen oft zugeschrieben würde, sie verfügten über begrenztere Fähigkeiten oder negative persönliche Eigenschaften.
Im interkulturellen Management liegen viele Tretminen. Man sollte sich wohl überlegen, wen man als Emissär in Projekte mit ausländischen Partnern entsendet. Das gilt umso mehr, je fremder die andere Kultur zur eigenen ist. Es wird unterschätzt, wie unsensible Mitarbeiter - nicht nur Manager! - den geschäftlichen Boden und die Akzeptanz im Gastland zu zertrampeln in der Lage sind. Eine Kollegin und Netzwerkpartnerin von mir, die in den USA auf dem Gebiet interkulturelles Management beratend tätig ist schreibt mir, "... Ich habe das Glueck hier mit Unternehmen zu arbeiten, die sich darueber bewusst sind , dass sie sich schon am interkulturellen Thema gehoerig die Finger verbrannt haben und insofern verhaeltnismaessig lernbegierig sind. Es erstaunt mich immer wieder, ...".
Interkulturelles Management ist ein Lernfeld, dem mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Erfreulich finde ich, dass einer meiner Kunden, ein großer Mittelständler, sich sehr bewusst in die neue Internationalität begibt. Es reicht nicht, sich sprachlich - meist ohnehin nur englisch - fit zu machen, bei längeren Aufenthalten evtl. einen Kurs zum Gastland zu besuchen. International agierende und präsente Unternehmen müssen sich den interkulturellen Themen stellen, die daraus im täglichen Geschäft erwachsen. Dies sollte, wenn man denn ein internationales oder gar globales Unternehmen sein will, zu einer systematischen Auseinandersetzung mit den dazu nötigen Kompetenzen führen. Dies ist eher ein Lern- und Sensibilisierungsprozess als der Verzehr von interkulturellem Dosenfutter in Seminarbausteinen.
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*) Nachtrag am 6.10.09: Siehe den Post zu: Es ist Deutschland hier.
Ich denke an bedenkliche Erfahrungen im geschäftlichen Umfeld, die ich in den vergangenen Wochen machte. Da ist ein junger deutscher Ingenieur eines großen deutschen Elektronikkonzerns beruflich in Novi Sad in Serbien. Der serbische Kollege, ebenfalls ein junger Ingenieur, lädt den Gast am frühen Abend bei schönstem Wetter und 30 Grad zum Abendessen ein und bietet an, ihm die Stadt zu zeigen. Der Gast lehnt kurz angebunden ab, er gehe lieber ins Hotel, er habe im Internet gesehen, dass die Stadt nichts Interessantes biete. Abgesehen davon, dass dies Unsinn ist - ich kenne Novi Sad,
das sehr lebendig, voll kulturellen Lebens in jeder Hinsicht (EXIT, Nomos, viele weitere internationale Kulturereignisse jedes Jahr) und voller junger Menschen ist - befremdlich wirkt so ein Verhalten in einem Gastland schon.
Das passt dann zur Beobachtung, die Ingenieure anderer Nationen machen, wenn sie mit Kollegen desselben Konzerns in Indien unterwegs sind - und staunen über das anmassende Verhalten deutscher Kollegen den indischen Ingenieurpartnern gegenüber.
Eine weitere Erfahrung aus einem anderen global agierenden deutschen Konzern: Da teilt mir vor einem internationalen Meeting der Leiter eines großen Konzernbereichs mit, er verfüge über mehr als 20 Jahre interkulturelle Erfahrung in Asien, Südamerika und Europa - auf diesem Gebiet gäbe es für ihn kaum noch Fragen. Im Workshop sitzen die ihm unterstellten Landesgeschäftsführer aus vielen Ländern der Welt. Bei der Frage zur Qualität der Zusammenarbeit herrscht zunächst betretenes Schweigen. Nach einiger Zeit äußern sich einige mit der Schilderung drastischer Erlebnisse - ein Brite entwickelt das Bild von einem deutschen Panzer, der alles plattwalze und nicht zuhöre... Ein anderer Manager spricht von schwierigen Botschaften gegenüber Mitarbeitern bei Besuchen in den Werken, die Befremden ausgelöst hätten. Da würden sich einige über Nebensächliches aufregen, lautet später der Kommentar mir gegenüber. International erfahren ist nicht dasselbe, wie interkulturell kompetent, ist dagegen meine Einschätzung.
Selbst- und Fremdbild klaffen in diesen Fragen gelegentlich erheblich auseinander. Ein Beitrag für die Bertelsmann Stiftung zur Workforce Diversity (Taylor Cox, 2008) spricht davon, dass 15% der befragten deutschen Teilnehmer einer Untersuchung in der deutschen Niederlassung eines US Unternehmens Spannungen und Konflikte zwischen Deutschen und Nichtdeutschen im Arbeitsumfeld feststellten - dies jedoch 50% der Nichtdeutschen für gegeben hielten. 15% der deutschen, jedoch 55% der nichtdeutschen Teilnehmer sprachen davon, dass Nichtdeutschen oft zugeschrieben würde, sie verfügten über begrenztere Fähigkeiten oder negative persönliche Eigenschaften.
Im interkulturellen Management liegen viele Tretminen. Man sollte sich wohl überlegen, wen man als Emissär in Projekte mit ausländischen Partnern entsendet. Das gilt umso mehr, je fremder die andere Kultur zur eigenen ist. Es wird unterschätzt, wie unsensible Mitarbeiter - nicht nur Manager! - den geschäftlichen Boden und die Akzeptanz im Gastland zu zertrampeln in der Lage sind. Eine Kollegin und Netzwerkpartnerin von mir, die in den USA auf dem Gebiet interkulturelles Management beratend tätig ist schreibt mir, "... Ich habe das Glueck hier mit Unternehmen zu arbeiten, die sich darueber bewusst sind , dass sie sich schon am interkulturellen Thema gehoerig die Finger verbrannt haben und insofern verhaeltnismaessig lernbegierig sind. Es erstaunt mich immer wieder, ...".
Interkulturelles Management ist ein Lernfeld, dem mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Erfreulich finde ich, dass einer meiner Kunden, ein großer Mittelständler, sich sehr bewusst in die neue Internationalität begibt. Es reicht nicht, sich sprachlich - meist ohnehin nur englisch - fit zu machen, bei längeren Aufenthalten evtl. einen Kurs zum Gastland zu besuchen. International agierende und präsente Unternehmen müssen sich den interkulturellen Themen stellen, die daraus im täglichen Geschäft erwachsen. Dies sollte, wenn man denn ein internationales oder gar globales Unternehmen sein will, zu einer systematischen Auseinandersetzung mit den dazu nötigen Kompetenzen führen. Dies ist eher ein Lern- und Sensibilisierungsprozess als der Verzehr von interkulturellem Dosenfutter in Seminarbausteinen.
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*) Nachtrag am 6.10.09: Siehe den Post zu: Es ist Deutschland hier.
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